Vergangene Ausstellung

Alles Maskerade!

Fasching, Karneval & Mummenschanz im Spiegel der Kunst.
22. November 2014 – 22. Februar 2015

Sonia Boyce: Mother Sallies, 2007

Sonia Boyce: Mother Sallies, 2007

Für ein paar Tage im Jahr ist alles anders. Die Narren rufen am 11. November die fünfte Jahreszeit aus, die mit dem Aschermittwoch des darauffolgenden Jahres endet. Das eigentliche Fest – der Fasching, die Fasnacht oder der Karneval – dauert dann nur einige wenige Tage in der Woche vor Aschermittwoch. Es ist ein letztes ausschweifendes Fest vor Beginn der Fastenzeit. Statt zu arbeiten, feiern die Menschen in den Straßen; sie verkleiden sich, sie tanzen und singen. Der Frohsinn ist allgegenwärtig und kaum vermeidbar.
Während des Karnevals sind alle Narren gleich, zumindest, wenn man den traditionellen Erklärungsversuchen folgen mag. Zwar erscheint das Treiben auf den Straßen wild und ungebändigt, doch gibt es Vereine und Narrengesellschaften, welche die Bräuche kontrollieren und die Zügellosigkeit organisieren. Man braucht sich nur die im Fernsehen übertragenen Karnevalsrituale anzusehen, um ein Bild davon zu erhalten, wie hierarchisch und wenig spontan das närrische System mit seinen Prunksitzungen und Elferräten, den Gardemädchen, Büttenreden und geplanten Tuschs durchstrukturiert ist. Niemand braucht sich Sorgen zu machen, denn die Macht übernehmen die Narren nur für eine Zeitungsnotiz. Alle Auflehnung ist ein Spiel, die Anarchie nur eine Behauptung.

Alexandra Vogt: Sinister (Videostill) 2013

Alexandra Vogt: Sinister (Videostill), 2013

 

Im Fasching werden tradierte Konventionen und Normen außer Kraft gesetzt. Restriktive Gesellschaften zeigen sich überraschend freizügig. Autoritäten verlieren für kurze Zeit ihre Macht. Die Schlüsselgewalt in den Städten wird den Narren übertragen. Sie erheben die Anarchie zur Regierungsform und können endlich einmal die Obrigkeiten verhöhnen, über die Herren zu Gericht sitzen und für eine kurzzeitige Verschiebung der strikten Machtverhältnisse sorgen. Die Weiberfasnacht annulliert für einen Tag das Patriarchat und erlaubt den Frauen, mit den Krawatten auch die Souveränität der Anzugträger zu beschneiden. Schüler werden befreit und Lehrer verbannt. Selbst die sittenstrengsten Katholiken haben nichts gegen ein Küsschen, das Bützje in Köln oder Düsseldorf, einzuwenden. Und das ist nur der Anfang vom Verfall aller Moral! Die Ausschweifungen dieser Tage werden toleriert, wenn danach alles wieder beim Alten ist.

Leah Gordon: Kanaval

Leah Gordon: Kanaval

 

Alles Maskerade
Fasnacht, Karneval und Mummenschanz

16/11/2014 — 22/02/2015

Mit Arbeiten von Otto Dix, Jean Tinguely, Axel Hoedt, Kristof Georgen, Thomas Hoerl, Miguel Walch, Klaus Pichler, Phyllis Galembo, Jacqui Stockdale, Yinka Shonibare MBE, Leigh Bowery, Fergus Greer, Imme van der Haak, Sabina Keric und Yvonne Rundio.

Museum Villa Rot / Kunsthalle Rot
Schlossweg 2
88483 Burgrieden – Rot
07392-8335
www.villa-rot.de

Mi-Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr
geschlossen am 24., 25. und 31. Dezember 2014