Ausstellung

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Jochen Mühlenbrink: Doch.

11.7. — 1.11.2026

Eröffnung: Freitag, 10.7.2026 um 19 Uhr | Eintritt frei

ein fotorealistisches Gemälde einer mit Kondenswasser beschlagenen Scheibe, durch die man ein Haus und blauen Himmel erahnen kann, ein schmaler Streifen ist freigewischt

Jochen Mühlenbrink, WP (Cut the House), 2021/2026, 100 × 80 cm, Öl und Acryl auf Leinwand, Foto: Michael Schmidtmann

ein fotorealistisches Gemälde, das aussieht wie ein mit bunten Zetteln und Klebestreifen beklebter Pappkarton

Jochen Mühlenbrink, OT Paperwork, 2015/2026, Öl auf Karton, Foto: Snapshot

ein fotorealistisches Gemälde, das wie ein  mit Kondenswasser beschlagener Spiegel aussieht, auf den jemand mit einem Finger mit wenigen Strichen ein Gesicht mit einer Krone gezeichnet hat

Jochen Mühlenbrink, MP Princess, 2026, Firnis und Harz auf Spiegelglas, Foto: Michael Schmidtmann

Der erste Blick führt uns in die Irre. Was zunächst wie ein mit Kondenswasser beschlagenes Fens-ter aussieht, an dem einige Tropfen herabrinnen und in ihrer Spur einen winzigen Blick auf die Landschaft preisgeben, ist weder ein Fenster noch das Foto eines Fensters, sondern ein Ölgemäl-de.

Es ist ein Bild, das aussieht wie etwas anderes – so perfekt ausgeführt, dass man als Betrachter*in gar nicht mehr an das Bild als etwas Gemaltes glauben mag. Der Fachbegriff dafür ist Trompe-l'œil-Malerei (französisch für ‚das Auge täuschen‘) und Jochen Mühlenbrink ist ein Meister dieser Art zu malen.

Seine Ausstellung, ‚Doch‘, in der Pakethalle der MEWO Kunsthalle beginnt mit den Materialien, die schon zu Zeiten als das Gebäude noch die Post war, dort vorkamen. Dort stehen ein paar Pakete in der Ecke, hier hat jemand Paketband auf ein Bild geklebt. Aber halt, das sind gar keine Pakete und das ist auch kein Paketband. Alles ist gemalt. Die Ölfarbe imitiert das Paketband, die Ölfarbe imi-tiert das Papier und macht aus einem banalen Alltagsgegenstand ein künstlerisches Werk.

Doch geht es nicht nur um die oberflächliche Nachahmung, es geht um das Bild, um das was Kunst eigentlich tut, um die Erzählung des Bildes. Dafür holt sich Jochen Mühlenbrink Anregungen aus der Kunstgeschichte. Beispielsweise nimmt er sich Las Meninas (1656) von Diego Velázquez zum Thema, das eine Szene am spanischen Hof zeigt und das für die Geschichtsschreibung seit jeher rätselhaft war und malt es neu. Seine Version gestaltet er aber ganz ohne Personal und ohne die Blicke, die diese Personen einander zuwarfen oder die im Spiegel an der Rückseite reflektiert wur-den. Er malt es als Stillleben, fast wie eine Bühne, und in der zweiten Fassung übermalt er ein ebensolches Bild mit Paketbandstreifen, die jeden Handlungsraum verdecken, stattdessen aber wieder höchst konzentrierte Malerei zeigen.

Man sieht doch gar nichts! Doch!

Jochen Mühlenbrink (*1980 in Freiburg) begann 2001 sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf und schloss dieses 2007 als Meisterschüler von Markus Lüpertz ab. Heute lebt und arbeitet er in Düsseldorf und Oldenburg.